Der kleine Wasserdrache

JT Augsburg

Jahr: 2018

Regie: Susanne Reng

Bühne u. Kostüme: Stefan Morgenstern

Musik: Ellen Mayer

Maskenbau Maik Evers

Foto: Frabauke

Drachenalarm im Siebentischwald

Kindertheater
Warum ist das Wasser von Augsburg sauber?
Das Junge Theater Augsburg erklärt es einem Open-Air-Stück

An einem sonnigen Sommersonntagnachmittag ins Theater zu gehen ist wenig verlockend. Wenn das Theater aber nach draußen kommt, ist es definitiv eine Alternative zu Biergarten oder Baggersee. Zumal wenn es im Stück um klares frisches Wasser geht und das Junge Theater Augsburg in den Siebentischwald einlädt.
Riesige Fußstapfen aus Sand führen dort weit ins Grün hinein, entlang der Kanäle und Bäche des Augsburger Wassermanagementsystems. Die Einzigartigkeit diese Jahrhunderte alten Systems und die Bewerbung Augsburgs mit seiner Wasserwirtschaft als UNESCO-Weltkulturerbe waren der Anlass für Theaterleiterin und Regisseurin Susanne Reng, das Bewerbungspaket der Stadt um das Kinderstück „der kleine Wasserdrache“ zu bereichern. Die Vorlage dafür fand Reng in den Büchern um den kleinen Wasserdrachen von Niclas Liebig, Geschäftsführer des Landespflegeverbandes: Liebig hatte zunächst seinen Töchtern von dem grünen Monsterchen erzählt, das nur Unfug im Kopf hat und damit die Augsburger Wasserversorgung gehörig auf den Kopf stellt. Weil es bei den Töchtern so gut ankam, machte Liebig mit der Illustratorin Billa Spiegelbauer mehrere Büchlein für die Arbeit der Umweltstation daraus.
Die erweckte das Junge Theater nun am Sonntag erstmals zu einem fantastischen Leben:
Kaum haben die kleinen und großen Zuschauer den Weg entlang der Drachenspuren zur ersten Spielstätte zwischen Büschen und Gräsern gefunden, da raschelt es im grünen Dickicht auf der anderen Seite des Bachs auch schon und heraus kommt der Stadtwalddrache (Lisa Fertner), der erst mal Pipi muss. Drachenpipi im Bach ist zwar lustig, aber dass das nicht ganz umweltfreundlich ist, spüren auch die Kleinsten – spätestens als der Zauberer (Ramo Ali) auftaucht. Neben allerhand Tricks hat er ein Chemielabor im Gepäck bzw. auf seinem Fahrradanhänger und braut an der nächsten Station eine Drachen-verschwinden-lass-Brause.
Ob und wann die zum Einsatz kommt, erfährt das Publikum aus einer Waldlichtung, wo ein stattlicher Perlachturm und die Augsburger Altstadt en miniature aufgebaut sind. Hier entspinnen Fertner, Ali und Daniela Nering in wechselnden Rollen als Drachen, Ritter oder Stadträte die Geschichte, weshalb Augsburg immer noch so sauberes Wasser hat und was für ein Schatz die Pflanzen und Tiere im Siebentischwald sind.
Susanne Reng hat die Bücher einfallsreich umgesetzt und die Szenen liebevoll in der Natur platziert. Ein Highlight ist die Ausstattung von Stefan Morgenstern, von bunten Drachen- bis zu absurden Ritterkostümen. Das befellte, mit Geweihschaufeln, altmodischen Lampenschirmen und anderem Krimskrams ausgestattete Fahrrad des Magiers wirkt, als käme es aus dem Tischlerschuppen von Petterson und Findus. Ramo Ali ist nicht nur ein perfekter Meister dieses Fahrgeräts, sondern gibt einen ebenso charmant altmodischen wie modern umweltbewussten Drachenfänger, der alle verzaubert und selbst dem neunmalklügsten und (inter) aktivsten Zuschauer wie im besten Impro-Theater Paroli bietet. Fertners niedlich-tapsigen Drachen kann man nichts so richtig übel nehmen und Nering hält als Fährtenscout und resolute Erzählerin alles zusammen.
Wo die Inszenierung trotzdem mal an Lebendigkeit und Schwung verliert, retten die Aufführung tolle Songs der Percussionistin und Theatermusikerin Ellen Mayer, die die drei Schauspieler mit ansteckendem Spaß und allerhand spannendem Instrumentarium wie Eimern und Löffeln zum Besten geben.

Claudia Kniess   Augsburger Allgemeine