39 Stufen

Kriminalkomödie von John Buchan und Alfred Hitchcock Bühnenbearbeitung von Patrick Barlow Aus dem Englischen von Bernd Weitmar

Theater Chemnitz Schauspiel

Jahr: 2020

Regie: Silke Johanna Fischer

Bühne u. Kostüme: Stefan Morgenstern

Dramaturgie: Stefanie Esser

Foto: Nasser Hashemi

„Alles der Schnelligkeit opfern“

Premiere im Rückblick: Vor dem Lockdown rasch noch ’ne flotte Komödie gestern Abend im Chemnitzer Schauspielhaus –
Ab morgen, 2. November, herrschen wieder Stille und Langsamkeit deutschlandweit im Theaterbetrieb. Da war es herzerfrischend, wie das Chemnitzer Schauspiel gestern, Samstagabend, mit einer flotten Hitchcock-Komödie noch einmal so richtig auf den Putz haute. Viel Beifall für die „39 Stufen“ im ausverkauften, coronahalbleeren Saal des Schauspielhauses.
Silke Johanna Fischer, die Regisseurin, und ihr Bühnen- und Kostümbildner Stefan Morgenstern haben sich wortwörtlich an den Meister selbst gehalten: „Man muss“, begründete der einmal den Erfolg der „39 Stufen“, „eine Idee auf die andere folgen lassen und dabei alles der Schnelligkeit opfern.“

Und so schwebte ein ganzes Theater von oben, eine Eisenbahn gleiste von hinten, Türen drehten sich zum Stehbett, “platsch“ war der Hauptdarsteller von der eben noch Zug gewesenen Brücke heruntergesprungen, aber nicht in die Schattenspielerei-Tümpel, wo das Lochness-Ungeheuer, treulich geführt von Christian Ruth, echte und falsche Schatten-Riss-Polizisten in Angst und Schrecken versetzte, Andrea Zwicky auch einen Doppeldecker crashte und Konstantin Weber unnachahmlich die wunderfitzige Pensionswirtin MacGarrigle karikierte.

Überhaupt machten die Schauspieler alles an diesem Abend: 50 Rollen hatten die drei „Neben“-Figuren zu spielen, heißt es irgendwo im Programmheft über die Theaterdramatisierung des Hitchcock-Films von 1935, die 2008 am Broadway ein mehr als 700-mal gefeierter Triumph wurde. Mag sein, dass es auch ein paar weniger waren. Aber sie verkleideten sich ratzfatz in ganz andere Typen (manchmal sogar halbe/halbe – Konstantin Weber als Conférencier/Polizist), sprachen und schwadronierten in hundert Tonlagen, schlichen, sprangen, schleiften sich über die Bühne. Nur Marco Bullack durfte sich auf Richard Hannay, den gejagten Hauptdarsteller konzentrieren. Dafür musste er auch in schönster James-Bond-Manier wie Sean Connery (R.i.P.) lange nach ihm in Schottland über den fahrenden Zug flüchten…

Herrliche Komödianten, alle vier. Mit Spaß an der Freud – bis hin zum Zugrattergleismitzittern und den Kurvenlagen-Quartetten im Fluchtauto. Großartig unterstützt von Regisseurin und Bühnenbildner. Die beiden hielten sich recht eng an den Film (bis hin zu Perücke und Schminke). Die vielen kulissigen Hitchcock-Schauplätze spielten wie handelnde Figuren leichtfüßig mit. Na gut, der angekündigte Schellfisch wurde nicht wie im Film lieblos in die Pfanne geknallt, und in dieser „räudigen“ Komödie (der Autor) fehlten auch die im Waggon eingeschlossenen, bösartig kläffenden Hunde, vielleicht blieb da auch mal ein Überbleibsel (Bank am Schluss) aus Versehen stehen – alles wurscht.

Kurz vor dem Lockdown noch so eine Komödie rauszuhauen, die jetzt erstmal eingemottet werden muss, und sie mit so viel Elan auf die Bretter zu bringen , das ist heiß. Viel Beifall  für die Akteure, Kompliment an das Schauspiel. „We made it“ (nicht nur Kulturhauptstadt) – ja. Toll.

Theater Förderverein Chemnitz 1.11.2020